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Erfahrungsbericht einer Praktikantin bei Scheibert & Associates



Von März bis Mai 2013 habe ich ein Praktikum bei Scheibert & Associates Inc. in der Kapstädter Kanzlei absolviert, von dem ich in dem folgenden Artikel kurz berichten möchte. Alle meine Ausführungen sind persönliche Erfahrungen und keine Gewähr dafür, dass die Wahlstation bei jedem anderen genauso wunderbar verlaufen wird … aber die Wahrscheinlichkeit ist groß!

Die Kanzlei von Scheibert & Associates Inc. ist im Herzen Kapstadts, einer der schönsten Städte der Welt, gelegen. Da Herr Scheibert selbst deutscher Staatsbürger ist, hat er im Jahre 2009 ein Zweitbüro in Berlin gegründet, um auch hier eine Anlaufstelle für die deutschen Klienten zu haben. Das Kapstädter Büro ist jedoch die Hauptanlaufstelle für Mandanten.

Jedes Jahr nutzen etliche Referendare die Möglichkeit und absolvieren ihre Ausbildungsstation in Kapstadt. Nicht nur die Möglichkeiten die Englischkenntnisse aufzubessern, ein unbekanntes Rechtsgebiet kennenzulernen und das warme Wetter zu genießen ziehen immer wieder mehr und mehr Referendare ins Ausland. Wer einmal in Kapstadt war weiß, warum er hier nicht mehr weg möchte: das Gesamtpaket aus Referendariat und Freizeit stimmt, die Arbeitskollegen sind immer nett und hilfsbereit und die Arbeit im Büro macht einfach Spaß. Dass man ab Donnerstagabend schon Wochenende hat, macht das große Reisen möglich: Lesotho, Garden Route, keine Autofahrt ist zu lang, kein Weg zu weit.

Eine meiner Hauptaufgaben während des Praktikums waren Übersetzungstätigkeiten, da nahezu alle Mitarbeiter englischsprachig sind, die Kanzlei aber sehr viele deutsche Mandanten hat. Oft mussten E-Mails oder eidesstattliche Versicherungen übersetzt werden. So bekam man einen tiefen Einblick in die Akten und konnte die Fälle genau kennen lernen. Die Mandanten der Kanzlei sind meist deutsche Staatsangehörige, die ein Haus in Südafrika kaufen oder komplett auswandern möchten, Firmen, die eine Niederlassung in Südafrika gründen möchten oder aber auch Südafrikaner, die sich bei ihren Visaangelegenheiten helfen lassen möchten.

Auch Verhandlungen vor Gericht standen oft auf dem Tagesplan. Hierbei fällt sofort ein großer Unterschied zu deutschen Gerichten auf: Please bow! Also nicht überrascht sein, wenn sich auf einmal alle Anwesenden vor dem Richter verbeugen.

Weiterhin hatte ich drei eigene Mandanten, die selbst Südafrikaner, aber deutschen Ursprungs waren. Da es sehr schwierig ist, mit einem südafrikanischen Reisepass zu reisen, wollten diese Mandanten die deutsche Staatsangehörigkeit und somit auch einen deutschen Reisepass beantragen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist dies möglich und es war meine Aufgabe, die Mandanten bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Man wird also nicht nur wie ein Praktikant behandelt und in eine dunkle Kammer zum Akten-sortieren gesteckt, sondern es werden einem auch sehr sinnvolle Aufgaben übertragen, bei denen man sein Können unter Beweis stellen kann. Aber mal ganz ehrlich … zu jeder guten Wahlstation gehören soziale Netzwerke und das regelmäßige Besuchen dieser dazu … Aber pssst …

Das Praktikum insgesamt war eine Erfahrung, die mir sehr viel gebracht hat. Sich in ein anderes Land und in ein vollkommen anderes Rechtssystem einzufinden, war zu Anfang nicht leicht. Aber die Mitarbeiter waren immer freundlich und verständnisvoll, so dass man sich nie fehl am Platz vorgekommen ist. Die Arbeit im Büro hat Spaß gemacht und war immer interessant. Die Arbeitsweise der Südafrikaner ist sehr viel lockerer als hier in Deutschland, man akzeptiert, dass auch jeder Mitarbeiter ein Privatleben hat.

Zu guter letzte möchte ich noch eine Sache erwähnen, die ich immer wieder feststellen muss. Jeder, der gerne einmal für einen längeren Zeitraum nach Südafrika möchte, sich aber nicht traut, weil es zu gefährlich sei: dies ist (vollkommener) Unsinn. Natürlich werden auf der Welt Menschen bedroht, ausgeraubt oder noch Schlimmeres. Aber auch in Deutschland ist man nicht vor allen Gefahren gefeit. Mit ein bisschen normalem Menschenverstand und ein paar Regeln, an die man sich halten sollte, ist man auf der sicheren Seite. Mir persönlich wurde kein Haar gekrümmt.

Die Wahlstation bei Scheibert & Associates zu absolvieren kann ich guten Gewissens nur empfehlen, da ich eine sehr schöne Zeit in dieser Kanzlei und vor allem in diesem Land hatte. Also: vielleicht bis bald!

Annkathrin Jüngel